Schwefelmangel bei Raps, Grünland und Getreide
Schwefelmangel sieht aus wie Stickstoffmangel und wird deshalb oft übersehen. Seit kaum noch Schwefel mit dem Regen kommt, tritt er bei Raps, Getreide und Leguminosen wieder häufiger auf, vor allem im Frühjahr.
Redaktion Meerkalk, Kassel · Stand Oktober 2026 · mit Quellen
Warum es heute Schwefelmangel gibt
Bis in die 1980er-Jahre kamen laut Agroscope mit dem Niederschlag 30 bis 50 kg Schwefel je Hektar und Jahr auf die Felder, teils bis 100 kg. Mit schwefelarmen Brennstoffen ist dieser Eintrag stark gesunken, heute liegt er in vielen Regionen unter 10 kg S je Hektar. Wichtigste natürliche Quelle ist nun die organische Substanz des Bodens. Ihr Schwefel wird erst frei, wenn der Boden warm genug ist, und das ist im Frühjahr oft zu spät.
Woran man Schwefelmangel erkennt
- Junge Blätter hellgrün: Vor allem die jüngeren Blätter erscheinen hellgrün, ähnlich wie bei Stickstoffmangel (BML-Richtlinie). Bei Stickstoffmangel hellen dagegen meist zuerst die älteren Blätter auf.
- Raps: Die Blüten sind gelblich-weiß statt kräftig gelb (BML-Richtlinie).
Bodenproben auf mineralischen Schwefel (Smin) sind möglich, Agroscope hält ihre Aussage aber für deutlich unsicherer als beim Stickstoff. Verlässlicher ist die Einschätzung des Standorts.
Welche Standorte gefährdet sind
Die österreichische Richtlinie für die sachgerechte Düngung nennt leichte, sandige, flachgründige und humusarme Böden, die kaum organische Dünger bekommen, als erste Kandidaten, besonders nach niederschlagsreichen Wintern. Agroscope ergänzt: In den niederschlagsreichen Gebieten der Schweiz wird das Sulfat über Winter in tiefere Bodenschichten verlagert, wo die Wurzeln es im Frühjahr nicht erreichen. Im Sommer und Herbst ist Mangel dagegen selten, weil aus dem warmen Boden laufend Sulfat nachgeliefert wird.
Raps
Raps hat den höchsten Schwefelbedarf der Ackerkulturen, weil er Schwefel auch für seine Senföle braucht. Die BML-Richtlinie empfiehlt 30 bis 60 kg S je Hektar zu Vegetationsbeginn.
Getreide, Mais und Leguminosen
Für Getreide und Leguminosen nennt die Richtlinie 10 bis 30 kg S je Hektar zu Vegetationsbeginn, für Mais 25 bis 50 kg von der Saat bis zum 6-Blatt-Stadium. Bei Kartoffeln und Zuckerrüben reicht die Nachlieferung aus dem Boden auf den meisten Standorten noch aus.
| Kultur | kg S/ha | Zeitpunkt | entspricht Kalk mit Schwefel |
|---|---|---|---|
| Winterraps | 30 bis 60 | Vegetationsbeginn | rund 170 bis 330 kg/ha |
| Getreide, Leguminosen | 10 bis 30 | Vegetationsbeginn | rund 60 bis 170 kg/ha |
| Mais | 25 bis 50 | zur Saat bis 6-Blatt-Stadium | rund 140 bis 280 kg/ha |
| Grünland | meist über die Wirtschaftsdünger abgedeckt, bei intensiver Schnittnutzung Ergänzung möglich | ||
Grünland
Im Grünland deckt die Wirtschaftsdüngung den Schwefelbedarf meist ab. Laut Richtlinie enthalten Wirtschaftsdünger im Schnitt etwa 8 % ihres Stickstoffgehalts als Schwefel. Bei intensiver Schnittnutzung, wenig Gülle oder Mist und auf leichten Böden kann eine mineralische Ergänzung den Ertrag sichern. Elementaren Schwefel nie in Gülle einrühren: Es bildet sich giftiger Schwefelwasserstoff, in Österreich ist das verboten.
Was hilft
Ein Dünger mit Schwefel in Sulfatform wirkt sofort, weil Pflanzen Schwefel als Sulfat aufnehmen. Gaben deutlich über dem Bedarf bringen nichts: Der Boden kann Sulfat nicht speichern, es wird ausgewaschen. Das FiBL weist zudem darauf hin, dass zu viel Schwefel Calcium und Magnesium mit auswäscht und so die Versauerung verstärkt. Unser Kalk mit Schwefel liefert 18 % S als Sulfat und dazu 40 % CaO, ohne den pH-Wert zu verändern.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Schwefelmangel?
Wann tritt Schwefelmangel auf?
Wie viel Schwefel braucht Raps?
Reicht Gülle als Schwefelquelle?
Quellen
- BML (2022): Richtlinie für die sachgerechte Düngung im Ackerbau und Grünland, 8. Auflage, Fachbeirat für Bodenfruchtbarkeit und Bodenschutz, Wien
- Agroscope (2017): Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen in der Schweiz (GRUD), Modul 2 „Bodeneigenschaften und Bodenanalysen“, Agrarforschung Schweiz 8 (6)
- FiBL, Bioaktuell.ch (2026): Schwefelversorgung von Ackerkulturen