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Kalkbedarf nach VDLUFA: das Rahmenschema erklärt

Fast jede Kalkempfehlung in Deutschland beruht auf dem Standpunkt „Bestimmung des Kalkbedarfs von Acker- und Grünlandböden“ des VDLUFA. Wer das Schema einmal verstanden hat, kann jeden Laborbefund selbst lesen und in eine Bestellmenge umrechnen.

Redaktion Meerkalk, Kassel · Stand Oktober 2026 · mit Quellen

Das Prinzip

Der VDLUFA legt für jeden Boden einen anzustrebenden pH-Bereich fest, die Klasse C. Liegt der gemessene pH-Wert darin, genügt eine Erhaltungskalkung, die die Verluste bis zur nächsten Bodenuntersuchung ausgleicht. Liegt er darunter, braucht der Boden mehr Kalk, liegt er darüber, gar keinen. Welcher pH-Wert passt, hängt von zwei Dingen ab: der Bodenart und dem Humusgehalt. Grünland und Acker haben getrennte Tabellen, weil Grünland einen niedrigeren Ziel-pH hat.

Schritt 1: Bodenartengruppe und Humus

Der VDLUFA teilt Mineralböden nach dem Tongehalt in fünf Gruppen ein, dazu kommen Moorböden als Gruppe 6. Bodenart und Humusgehalt stehen in Ihrem Laborbefund oder in der Bodenschätzung.

Bodenartengruppen nach VDLUFA (2000)
GruppeBodenartKennzeichen
1Sandbis 5 % Ton
2schwach lehmiger Sand> 5–12 % Ton
3stark lehmiger Sand> 12–17 % Ton
4sandiger / schluffiger Lehm> 17–25 % Ton
5toniger Lehm bis Ton> 25 % Ton
6Moor> 30 % Humus

Schritt 2: pH-Klasse ablesen

Gemessen wird der pH-Wert in Calciumchlorid-Lösung (pH-CaCl₂), auf Grünland in 0 bis 10 cm Tiefe, auf dem Acker in der Krume. Aus dem Messwert und dem Zielbereich ergibt sich eine von fünf Klassen.

pH-Klassen und Kalkdüngungsbedarf. Quelle: VDLUFA 2000, Tabelle 2
KlasseKalkversorgungWas zu tun ist
Asehr niedrigGesundungskalkung. Bodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit sind erheblich beeinträchtigt.
BniedrigAufkalkung. Noch keine optimalen Bedingungen, hoher Kalkbedarf.
CanzustrebenErhaltungskalkung. Optimale Bedingungen, geringer Kalkbedarf.
DhochKeine Kalkung.
Esehr hochKeine Kalkung und keine alkalisch wirkenden Dünger.

Schritt 3: Menge festlegen

In Klasse C nennt die Tabelle die Erhaltungskalkung in Dezitonnen CaO je Hektar (1 dt = 100 kg). Auf Grünland mit Mineralboden sind das 4 bis 8 dt CaO/ha, auf dem Acker je nach Boden und Humus 3 bis 20 dt CaO/ha.

Anzustrebender pH-Wert (Klasse C) und Erhaltungskalkung auf Grünland, bezogen auf 0–10 cm. Quelle: VDLUFA 2000, Tabelle 4
BodenartengruppeHumus bis 15 %: pHdt CaO/haHumus 15,1–30 %: pHdt CaO/ha
1 · Sand4,7–5,244,3–4,72
2 · schwach lehmiger Sand5,2–5,754,6–5,13
3 · stark lehmiger Sand5,4–664,8–5,44
4 · sandiger / schluffiger Lehm5,6–6,375–5,75
5 · toniger Lehm bis Ton5,7–6,585,1–5,96
6 · Hochmoor, saures NiedermoorpH 4,3 · keine Erhaltungskalkung
Anzustrebender pH-Wert (Klasse C) und Erhaltungskalkung auf Ackerland in dt CaO/ha je Fruchtfolge. Quelle: VDLUFA 2000, Tabelle 3
BodenartengruppeHumus bis 4 %4,1–8 %8,1–15 %15,1–30 %
1 · SandpH 5,4–5,8
6 dt
pH 5–5,4
5 dt
pH 4,7–5,1
4 dt
pH 4,3–4,7
3 dt
2 · schwach lehmiger SandpH 5,8–6,3
10 dt
pH 5,4–5,9
9 dt
pH 5–5,5
8 dt
pH 4,6–5,1
4 dt
3 · stark lehmiger SandpH 6,1–6,7
14 dt
pH 5,6–6,2
12 dt
pH 5,2–5,8
10 dt
pH 4,8–5,4
5 dt
4 · sandiger / schluffiger LehmpH 6,3–7¹
17 dt
pH 5,8–6,5
15 dt
pH 5,4–6,1
13 dt
pH 5–5,7
6 dt
5 · toniger Lehm bis TonpH 6,4–7,2¹
20 dt
pH 5,9–6,7
18 dt
pH 5,5–6,3
16 dt
pH 5,1–5,9
7 dt

¹ Auf karbonathaltigen Böden mit freiem Kalk keine Erhaltungskalkung.

In Klasse B und A kommt zur Erhaltung eine Auf- beziehungsweise Gesundungskalkung hinzu. Diese Menge berechnet das Labor aus dem Abstand zum Zielbereich und nennt sie im Befund. Mehr dazu im Ratgeber Aufkalkung und Gesundungskalkung.

Höchstgaben und Abschläge

  • Höchstmenge je Gabe: 30 dt CaO/ha auf leichten, 60 auf mittleren und 90 auf schweren Böden. Größere Mengen werden auf mehrere Jahre verteilt.
  • Flachgründige oder steinreiche Böden: Die Menge kann um 20 bis 40 % verringert werden.
  • Moorböden: Für Hochmoor und saures Niedermoor sieht der VDLUFA keine Erhaltungskalkung vor, die LfL Bayern empfiehlt auf Moorstandorten generell keine Kalkgaben.
  • Klasse D und E: keine Kalkung, in Klasse E auch keine alkalisch wirkenden Dünger.

Schritt 4: in Kalkdünger umrechnen

Die Tabellen rechnen in reinem CaO. Um daraus die Düngermenge zu machen, teilen Sie durch den CaO-Gehalt des Kalks. Bei MEERKALK mit rund 51 % CaO heißt das: kg CaO geteilt durch 0,51. Weitere Umrechnungen nach DLG-Merkblatt 456: CaCO₃ mal 0,56 ergibt CaO.

Zwei Rechenbeispiele

Grünland, sandiger Lehm, bis 15 % Humus, pH 5,8. Der Zielbereich liegt bei pH 5,6 bis 6,3, der Wert ist also in Klasse C. Die Tabelle nennt 7 dt CaO/ha Erhaltungskalkung, also 700 kg CaO. Geteilt durch 0,51 ergibt das rund 1.370 kg MEERKALK je Hektar bis zur nächsten Bodenuntersuchung, verteilt zum Beispiel auf drei jährliche Gaben von rund 460 kg.

Acker, sandiger Lehm, bis 4 % Humus, pH 6,5. Zielbereich pH 6,3 bis 7,0, ebenfalls Klasse C. Die Erhaltungskalkung beträgt 17 dt CaO/ha, also 1.700 kg CaO oder rund 3.330 kg MEERKALK je Hektar.

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Häufige Fragen

Was bedeutet dt CaO/ha?

Dezitonnen Calciumoxid je Hektar. Eine Dezitonne sind 100 kg. 7 dt CaO/ha sind also 700 kg reines CaO, die Düngermenge ergibt sich durch Teilen durch den CaO-Gehalt.

Gilt die Erhaltungskalkung pro Jahr?

Nein. Die VDLUFA-Mengen gelten für den Zeitraum bis zur nächsten Bodenuntersuchung. Auf Grünland rechnet das DLR Rheinland-Pfalz mit etwa vier Jahren. Sie können die Menge auf jährliche Gaben verteilen.

Warum ist der Ziel-pH auf Grünland niedriger als auf dem Acker?

Wertvolle Gräser bevorzugen eine schwach saure Bodenreaktion (LfL Bayern). Deshalb liegen die Zielbereiche auf Grünland je Bodenart unter denen für Ackerland.

Was ist, wenn mein Labor anders rechnet?

Maßgeblich ist der Befund Ihres Labors. Einzelne Bundesländer und Labore passen das Schema regional an. Die Zahlen auf dieser Seite sind die Grundtabellen des VDLUFA-Standpunkts.

Quellen

  1. VDLUFA (2000): Standpunkt „Bestimmung des Kalkbedarfs von Acker- und Grünlandböden“, Darmstadt
  2. DLG e. V. (2022): DLG-Merkblatt 456 „Hinweise zur Kalkdüngung“, 3. Auflage
  3. LfL Bayern (2022): Leitfaden für die Düngung von Acker- und Grünland (Gelbes Heft), Kap. 2.1.2
  4. DLR Rheinland-Pfalz (2025): Faltblatt „Grünland kalken“

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